Gegendemo zum NPD Bundesparteitag – Und Weinheim ist doch bunt

2013
04.21

Nazis vor meiner Haustür? Zeit, mal wieder politisch zu werden.

Als ich gestern morgen von meinen Kollegen erfuhr, dass der NPD Bundesparteitag nun überraschend in Weinheim stattfindet, war ich geschockt. Spätestens seit ich vor einigen Jahren in Dortmund alljährlich die Naziaufmärsche in meinem damaligen Stadtteil ertragen musste, hab ich diese Typen echt gefressen. Also schnell Twitter und Facebook gecheckt, Proteste entdeckt, geteilt und ab aufs Rad. Denn das geht einfach mal gar nicht.
Damit war ich zum Glück nicht allein. Spontan sammelten sich gestern schon rund 250 Demonstranten vor der Absperrung, die die Polizei weiträumig um den “Schwarzen Ochsen” “Braunen Ochsen” errichtet hatte. Mit dabei: der Bürgermeister, Kirchen, Vereine und Anwohner. Ein guter Anfang.

Auf weinheimblog.de gibt es übrigens schöne Zusammenfassungen.

Heute, zum zweiten Tag, versammelten sich in der Spitze dann schon rund 600 Demonstranten. “Nazis raus”, “NPD verbieten” und “Weinheim ist bunt” skandierte die friedliche Menge. Es wurde getanzt und getrommelt, skandiert und gesungen. Während vorne die Jugend “Ohne Verfassungsschutz wärt ihr nur zu zehnt” brüllte, sangen weiter hinten Alt-68er “Moorsoldaten” oder “We shall overcome”. So unterschiedlich wie die Arten gegen braunes Gedankengut zu protestieren, waren auch die zahlreichen Teilnehmer der beiden Demos.

Doch es gibt auch Erlebnisse, die mich grübeln lassen. Da sind die beiden Mädels aus dem Nachbarhaus, die in Jogger und Adiletten während der Demo zum Bäcker schlurfen und sich über die Demonstranten aufregen.
Da sind die Kommentare der Rechten im Gästebuch des braunen Ochsen, welches mittlerweile anscheinend offline genommen wurde.
Und da sind Argumente, nicht an einer Demo teilzunehmen, weil “der Steuerzahler dann für die Polizeikosten aufkommen muss” oder weil “man die eine Seite so schwachsinnig findet wie die andere und sich da gar nicht so recht positionieren möchte”.
Mir fällt es schwer, diese Gleichgültigkeit nicht genauso schlimm zu finden, wie die braunen Deppen, die sich zu diesem Zeitpunkt in der runtergekommenen Kaschemme treffen.

Ein gutes Gefühl gibt mir dagegen das Wissen in einer Stadt zu leben, in der sich der Widerstand so spontan organisieren konnte.
Über Twitter und Facebook zeigten sich viele Menschen solidarisch: “Wenn der Ort in dem Du lebst mal in der ZEIT steht … :-( ” schrieb z.B. @ripanti am Samstag und sprach wohl vielen aus der Seele.
Auch die FB Fanpage der Stadt Weinheim wurde zum Schauplatz hitziger Diskussionen. “Der Wirt wusste ganz sicher von der NPD-Veranstaltung, und da er offensichtlich selbst rechts ist, hat er seine Pforten für die Nazis geöffnet. (..)”, erklärte ein User. Ein anderer meinte: “Mir dreht sich der Magen um, wenn ich bedenke, dass ich da neulich noch essen war. Nie wieder.”
Und das Video mit der Rede von Weinheims OB Heiner Bernhard sammelte Likes als gäbe es kein Morgen.

Kleines Schmankerl am Rande:
Von der Demo in Sulzbach hat die Dönerbude kurz vor der Absperrung wohl am meisten profitiert. Selten schmeckte ein Fastfood-Gericht wohl so sehr nach Protest.
Nuff said!

Brauthormone, what the hell? – Bridal Stories 1

2013
02.25

Seit dem letzten Winterurlaub trage ich einen Verlobungsring.
Das dieses zugegeben große Klunkerding mich so sehr beeinflussen könnte, hätte ich nie gedacht. Überhaupt, heiraten… wie spießig hätte ich letztes Jahr noch gesagt. Aber erstens kommt es ja bekanntlichermaßen anders und zweitens.. ja ja.. bla bla.
Als mein Freund mich gefragt hat, hab ich mich ehrlich gefreut. Und die ganze Zeit gedacht: Wie krass ist das denn? Machen wir das jetzt echt? Unfassbar.

Die erste Sprachlosigkeit ist mittlerweile vergangen. Die Familie weiß Bescheid, die Freunde jetzt auch und sogar die Bekannten. Lebensereignis im Facebook sei Dank.
Es macht aber auch so Spaß diese Neuigkeit hinauszuposaunen.
Die Trauzeugen sind auch schon benannt, die Location und das Datum stehen, kurzum.. wir sind mitten in der Planung.
Moment, wir? Nein. Ich! Ich plane. Quasi Vollzeit.
Nach zwei Monaten hat auch mich dieses seltsame Brautfieber erfasst, von dem ich dachte, es befalle nur Tussis mit pink lackierten Findernägeln, die von Sissi-Kleidern träumen. Was sind das nur für komische Hormone, die frau da ausstösst? Was passiert mit mir?

Mein Zukünftiger mimt derweil den Tiefenentspannten. Nachdem wir zufällig die Location über unseren Nachbarn innerhalb von zehn Minuten organisiert hatten, ist er in eine stoische Ruhe verfallen. Adressen für Save the Date Karten organisieren? Läuft. Immer mit der Ruhe. Keine Panik. Wir haben doch Zeit… Zeit? Moment mal, brülle ich innerlich zurück. Es gibt doch so unfassbar viel zu entscheiden. Die Dekoration, der Ablauf des Tages, die Gästeliste, die Anmeldung beim Standesamt, das Hochzeitskleid, und ÜBERHAUPT!! AAARGH!!

Am Wochenende haben wir uns dann doch tatsächlich darüber gestritten, ob der Bräutigam eine Hochzeitsrede halten sollte oder nicht. ER: Auf keinen Fall mach ich son Quatsch wie in deinen Büchern steht. ICH: Aber das macht man so!
Häh? Ich soll das eben gesagt haben? Ich, die immer eine total unspießige, alternative, punkige, chillige Hochzeit feiern wollte? Also wenn schon überhaupt halt..

Was zur Hölle? Netterweise hat mein Zukünftiger mir den Kopf wieder gerade gerückt. Vielleicht habe ich in den letzten Wochen doch ein klein wenig zu viel in den Hochzeitsbüchern, Zeitschriften und Blogs gelesen. Ich schreibe mir groß CHILLIGE Hochzeit hinter die Löffel. Und ertappe mich gleich dabei, wie ich nach Tipps für eine gechillte Hochzeit suche. Finde übrigens keine. Ob das so eine Urban Legend ist?!

Hier gehts übrigens zu meinem Vintage Wedding Moodboard auf Pinterest. ;)

You’re my anchor!

2013
02.07

I am totally in love with this!

Wir waren Rebellen

2013
02.02

One Day Baby we’ll be Old,
oh Baby we’ll be Old,
think about the Story that wie could have told.

Wir wollten die Welt verändern.
Wir waren gegen das System. Wir protestierten, demonstrierten, prügelten und kifften gegen das System an. Wir schwänzten den Unterricht und tanzten die Nächte durch. Streiften trunken von unseren Überzeugungen durch das Morgengrauen. Sahen am Horizont ein Versprechen. Dämmerten in diesem Zustand zwischen dem Jetzt und dem Irgendwann vor uns hin. Fühlten uns lebendig, obwohl wir uns kaum bewegten.
Wir sahen das Grollen am Himmel und sorgten uns mit Schaudern. Wischten alle Zweifel weg, machten einfach weiter. Taumelten durch unsere Bedenken und Hoffnungen. Wir suchten die Wahrhaftigkeit zwischen all diesen Wahrheiten.
Wir waren schwach trotz all der Stärke.
Wir waren Rebellen.

Sunday Blues

2013
01.20

Grauer Sonntagnachmittag.
Mit der Decke auf der Couch. Melancholie liegt in der Luft.
Draußen Eiseskälte und Schneeregen. Höre Biffy Clyro in der Dauerschleife.
Lese den “Wolkenatlas” zu Ende und fühle mich ein wenig verloren.
Ein kleines Staubkorn der Geschichte. Fühlt sich unbedeutend an für das große Ganze.
Bin aber doch ein Zahnrädchen im Uhrwerk der Welt. Denke an fremde Orte, fremde Welten und fremde Leben.
Und möchte doch nicht tauschen. Möchte nirgendwo anders sein als genau hier.
Hier ist mein Platz, meine kleine Nische.
Hier bin ich Ich.

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Liebe Printjournalisten…

2012
12.01

… hört doch bitte, bitte auf euch selbst zu bemitleiden.

Seit Google diese Woche seine Kampagne “Verteidige dein Netz” gestartet hat,
sind die Glossen, Leitartikel und Kolumnen wieder voll mit eurem Gesülze.
Es tut mir leid, dass ich so deutlich werde. Aber ich kann es nicht mehr hören.

Das Netz, das ihr immer noch als “neues Medium” bezeichnet ist Schuld am Zeitungssterben.
Bitte glaubt nicht, ich würde eure Arbeit nicht schätzen und die Misere nicht erkennen.
So ist es mitnichten. Ich war selber mal eine von euch.
Ich habe für eine Tageszeitung geschrieben und ich hab es geliebt.
Ich lese jeden Morgen die Frankfurter Rundschau, auf Papier, wie oldschool.
Und ja, das würd ich in einem Jahr gern immer noch.
Ich mag Vielfalt. Auch in meiner Mediennutzung.
Was ich nicht mehr hören kann, ist eurer Gejammer.

Die da, schreit ihr, die sind Schuld daran, dass ich morgen keinen Job mehr hab.
Und dabei zeigt ihr mit euren Fingern abwechselnd auf das Internet, auf Google, auf die sozialen Netzwerke, auf die Blogger oder auf die Öffentlich- Rechtlichen.
Ja, werdet ihr jetzt sagen, kein Wunder, dass DU das anders siehst.
Ich bin für euch der personifizierte Teufel.
Ich bin jung, ein digital native, eine Bloggerin, eine, die als öffentlich-rechtliche
Onlinejournalistin ihre Brötchen verdient.
Aber liebe Printkollegen, das war nicht immer so.
Vor über zwei Jahren habe ich mein Journalismus-Studium beendet.
Thema meiner Arbeit: “Zeitung 2.0 – besser online. Erfolgsstrategien für Onlinezeitungen”
Nach so langer Zeit müsste diese Arbeit längst überholt sein.
Aber nichts hat sich geändert.
Ihr zeigt immer noch auf die anderen.
Überzeugt mich doch lieber mit kreativen Strategien, statt mich als Leser gleich auszuschließen. Leisten könnt ihr euch das nicht. Von meiner Sorte gibt es noch mehr.

Glaubt nicht, ich wär euch bös. Ihr kauft meine Arbeit immer noch.
Viel lieber wär es mir aber, ihr hättet inzwischen eine Strategie für euch gefunden.
Und sie befolgt. Zahlreiche Experten, die sich in der digitalen Welt bewegen, habt ihr zu Rate gezogen und doch hinterher gemacht was ihr wolltet. Nichts.

Das man so nicht weiterkommt, haben vor euch schon andere lernen müssen.
Oder hat sich etwa die Musikindustrie von ihrem Schock erholt,
indem sie massenweise Teenager verklagt hat?
Die bösen Nutzer, schrien die Plattenfirmen und Produzenten und dennoch verkauften sich CD- Brenner und Rohlinge wie geschnitten Brot.
Na, klingelt da was?
Da hast DU, lieber vorbildlicher Printjournalist, doch sicher auch das ein oder andere auf deinem Kerbholz zu verzeichnen. Niemals eine gebrannte CD gehört oder weitergegeben?
Nie einen Kinofilm zuhaus gesehen, obwohl er gerade erst angelaufen ist?
Bitte, wer’s glaubt…

Was mich an dieser ganzen Geschichte hoffen lässt?
Irgendwann hatte ein kluger Mensch, dann doch eine Idee wie man aus Filmen und Musik wieder Geld machen kann.
Ich liebe mein Spotify-Abo. Ich liebe iTunes. Ich liebe es Filme und Serien in Sekundenschnelle auf mein iPad zu ziehen und sie dann im Zug zu sehen. Ganz legal.
Der Nutzen muss größer und die Barriere niedriger sein, als das Geld das investiert wird.
Simpel, aber es funktioniert.
Und zeigt jetzt nicht mit eurem Finger auf Apple, den nächsten bösen Riesen.
Macht es erstmal selber besser.

Wie euch das jetzt nutzen soll?
Keine Ahnung, ich bin kein Daniel Düsentrieb.
Wenn, dann würde ich euch mein Patent liebend gern zukommen lassen. Für ganz wenig Geld. Versprochen.
Damit ich auch in Zukunft morgens meine Zeitung lesen kann.
Aber ohne euer Genöhle über “dieses Internet”.

Bobcat – the f*** coolest cat on earth

2012
10.25

Aaaawww, i totally love this cat. Wish mine could walk through streets with me.


More pics and videos on littlelondonobservationist.wordpress.com

The difference…

2012
10.23

Das mit diesem Erwachsenwerden

2012
08.16

Acht Uhr morgens. Ich radel durch Frankfurt, weiche den Pfützen aus, genieße den Fahrtwind. Plötzlich, wummernde Bässe.
Auf der Straße verschwitzte Mädels, Jungs mit großen Augen und blasser Haut trinken noch ein Bier und drehen sich die letzte Kippe. Anscheinend hat der Club an der Ecke doch nicht geschlossen. Und dann die Erkenntnis: Tauschen will ich nicht.
So ist das also auch mit diesem Erwachsenwerden. Erst bist du auf jeder Party dabei, dann nur noch auf jeder zweiten. Dann wunderst du dich, dass die Parties auch ohne dich stattfinden und du wirst wehmütig. Und Irgendwann ist es dir vollkommen egal.

Mittwochs morgens aus dem Club zu fallen, fühlt sich mit 18 vielleicht noch wild. Aber irgendwann wird’s albern. Genau wie Beth Ditto es in „Get a job“ besingt: “It was adorable when you were in your 20’s. Not so cute anymore now that you’re pushing 30.”

Tun, was andere lassen

2012
07.04

Einfach mal tun, was andere lassen.
Heute: Den Briefmarkenautomaten lauthals anschreien, weil das blöde Ding einfach nicht will, wie man selbst. Dem grauhaarigen Mann rutscht zwar fast die Brille von der Nase und das Gesicht leuchtet in einem mehr als gesunden Rot – aber den Ärger ist er jetzt los.
Scheiß auf die kopfschüttelnden Passanten.

Leider lässt man viel zu viel sein.
Ich würd gern lauthals mitsingen, wenn ich auf dem iPod einen meiner Lieblingssongs von Rise Against höre. Das totale Glücksgefühl mit anderen teilen.

Oder dem Mann morgens um acht in der Bahn sagen, dass sein Deo versagt hat und er sich aus Rücksicht auf die anderen Fahrgäste einzeln auf den Gang setzen sollte.

Oder dem Typen, der während des Konzerts vor mir steht und offenkundig die ganze Zeit in seine Jeans knattert, sagen, dass er aufs Klo gehen oder wenigstens woanders rumfurzen soll.

Oder in der Bahn sitzen bleiben und statt bis Frankfurt und zur Arbeit bis nach Stralsund und damit ans Meer fahren.

Oder, oder, oder… Ich bin dann mal auf dem Ponyhof.


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